Wer erfand die erste Programmiersprache? Ada, Zuse und Fortran

Claudio Möller • 18. Oktober 2026
Konrad Zuse, der die erste Programmiersprache erfand, mit seiner Rechenmaschine.

Inhaltsverzeichnis

Wer die Geschichte des Programmierens verstehen will, stößt schnell auf mehrere Namen statt auf eine einzige eindeutige Antwort. Ada Lovelace schrieb das erste bekannte Computerprogramm, Konrad Zuse entwarf mit Plankalkül die erste höhere Programmiersprache, und John Backus prägte mit Fortran die erste praktisch erfolgreiche Sprache dieser Art.

Die wichtigsten Antworten auf einen Blick

  • Ada Lovelace formulierte 1843 den ersten bekannten Algorithmus für eine programmierbare Rechenmaschine.
  • Konrad Zuse entwickelte zwischen 1942 und 1945 Plankalkül, den frühesten umfassenden Entwurf einer höheren Programmiersprache.
  • Fortran gilt ab 1957 als erste weit verbreitete und praktisch nutzbare höhere Programmiersprache.
  • Eine einzige Erfinderperson lässt sich deshalb nur nennen, wenn vorher klar ist, welche Definition von „erste Programmiersprache“ gemeint ist.

Die kurze Antwort hängt von der Definition ab

Die sauberste Antwort lautet für mich zunächst Konrad Zuse. Er entwickelte Plankalkül, eine Sprache, mit der sich Rechenabläufe unabhängig von einzelnen Maschinenschritten beschreiben ließen. Genau das macht eine höhere Programmiersprache aus.

Allerdings entstand schon ein Jahrhundert zuvor ein entscheidender Vorläufer. Ada Lovelace beschrieb 1843 ein Verfahren zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen für Charles Babbages geplante Analytical Engine. Sie schrieb damit kein modernes Sprachsystem, aber einen Algorithmus, der heute als erstes veröffentlichtes Computerprogramm gilt.

Wer dagegen nach der ersten höheren Sprache fragt, die tatsächlich mit einem Compiler praktisch eingesetzt wurde, landet bei Fortran. Die Sprache entstand in den 1950er-Jahren unter der Leitung von John Backus bei IBM und wurde 1957 veröffentlicht.

Meilenstein Person oder Team Zeitpunkt Bedeutung
Erster bekannter Algorithmus für eine Rechenmaschine Ada Lovelace 1843 Frühes Computerprogramm für Babbages Analytical Engine
Erster umfassender Entwurf einer höheren Programmiersprache Konrad Zuse 1942 bis 1945 Plankalkül beschrieb Programme auf einer abstrakteren Ebene
Erste praktisch erfolgreiche höhere Sprache John Backus und IBM-Team 1957 Fortran machte wissenschaftliches Programmieren deutlich einfacher

Alte Computer mit vielen Knöpfen und blauen Kabeln. Wer hat die erste programmiersprache erfunden? Die Antwort liegt in der Geschichte der Computertechnik.

Ada Lovelace schrieb das erste bekannte Computerprogramm

Ada Lovelace arbeitete nicht an einem fertigen elektronischen Computer. Ihre Texte bezogen sich auf die mechanische Analytical Engine, die Charles Babbage entworfen hatte, aber zu ihren Lebzeiten nicht vollständig gebaut wurde. Trotzdem erkannte sie früher als viele Zeitgenossen, dass solche Maschinen nicht nur Zahlen addieren, sondern auch allgemeine Regeln und Symbole verarbeiten könnten.

Besonders wichtig ist ihre Übersetzung eines Fachtextes von Luigi Federico Menabrea aus dem Jahr 1843. Lovelace ergänzte den Text um umfangreiche eigene Anmerkungen und entwickelte darin eine Schrittfolge zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen. Diese Folge enthielt Anweisungen, Zwischenergebnisse und Speicherbezüge und wird deshalb oft als erstes veröffentlichtes Computerprogramm bezeichnet.

Ich würde Lovelace dennoch nicht als Erfinderin der ersten Programmiersprache bezeichnen. Sie war vor allem die erste bekannte Person, die ein Programm für eine universell gedachte Rechenmaschine ausführlich beschrieb. Der Unterschied ist wichtig, weil ein einzelner Algorithmus noch keine Programmiersprache mit eigener Syntax und systematischen Regeln bildet.

Konrad Zuse entwarf mit Plankalkül die erste höhere Sprache

Konrad Zuse ging einen Schritt weiter. Zwischen 1942 und 1945 entwickelte er Plankalkül, also einen „Rechenplan-Kalkül“. Sein Ziel war eine Sprache, in der sich komplexe Berechnungen, Bedingungen und Datenstrukturen ausdrücken ließen, ohne jede einzelne Operation direkt in Maschinencode zu formulieren.

Plankalkül enthielt bereits Ideen, die später in modernen Sprachen selbstverständlich wurden. Dazu gehörten unter anderem Variablen, Datentypen, Rechenoperationen und bedingte Anweisungen. Zuse dachte also nicht nur an einzelne Befehle, sondern an eine allgemeine Notation für Programme.

Der große Nachteil lag in der praktischen Umsetzung. Plankalkül blieb lange ein schriftlicher Entwurf und wurde nicht zu Zuses Lebzeiten auf breiter Basis eingesetzt. Erst Jahrzehnte später entstanden Implementierungen, mit denen sich Programme in dieser historischen Sprache tatsächlich ausführen ließen.

Genau hier liegt ein typischer Irrtum. Eine Sprache kann historisch die erste ihrer Art sein, ohne im Alltag erfolgreich gewesen zu sein. Bei Plankalkül ist die konzeptionelle Bedeutung größer als die unmittelbare praktische Wirkung.

Warum Fortran oft als erste Programmiersprache gilt

Fortran wird häufig als erste Programmiersprache bezeichnet, weil sie nicht nur auf dem Papier existierte. Das IBM-Team um John Backus entwickelte einen Compiler, der mathematische Ausdrücke in Maschinencode übersetzen konnte. Dadurch mussten Wissenschaftler ihre Programme nicht mehr vollständig in schwer lesbaren Maschinen- oder Assemblersprachen schreiben.

Die erste Fortran-Version erschien 1957. Sie war für wissenschaftliche und technische Berechnungen gedacht und setzte sich gerade deshalb schnell in Forschung, Ingenieurwesen und Raumfahrt durch. Fortran zeigte, dass eine höhere Programmiersprache zugleich verständlicher und leistungsfähig genug für reale Großrechner sein konnte.

Auch Grace Hopper wird in diesem Zusammenhang oft genannt. Sie entwickelte mit A-0 ein frühes compilerähnliches System und trug wesentlich dazu bei, Programmierbefehle näher an menschliche Sprache heranzuführen. Sie erfand jedoch nicht die erste Programmiersprache, sondern war eine wichtige Pionierin der Übersetzung von Programmen.

Fortran war also nicht der erste Entwurf einer höheren Sprache. Es war vielmehr die erste Sprache, die diese Idee in größerem Maßstab erfolgreich in die Praxis brachte. Dieser Unterschied erklärt, warum historische Darstellungen manchmal unterschiedliche Namen nennen.

Die wichtigsten Pioniere im direkten Vergleich

Die Entwicklung verlief nicht in einem einzigen Erfindungsmoment. Sie bestand aus mehreren Schritten, bei denen verschiedene Menschen unterschiedliche Probleme lösten. Lovelace formulierte einen Algorithmus, Zuse entwarf ein Sprachkonzept, und Backus’ Team machte höhere Programmierung alltagstauglich.

Name Was wurde entwickelt? Was daran besonders war
Ada Lovelace Algorithmus für die Analytical Engine Erste ausführliche Beschreibung eines Programms für eine universelle Rechenmaschine
Charles Babbage Entwurf der Analytical Engine Schuf das Maschinenkonzept, auf das Lovelaces Programm bezogen war
Konrad Zuse Plankalkül Frühester umfassender Entwurf einer höheren Programmiersprache
John Backus und IBM-Team Fortran und Compiler Erste breite praktische Nutzung einer höheren Programmiersprache
Grace Hopper Frühe Compilertechnik und A-0 Wichtiger Schritt zu verständlicheren und leichter übersetzbaren Programmen

Wenn ich die Frage in einem Satz beantworten müsste, würde ich deshalb sagen: Konrad Zuse entwarf mit Plankalkül die erste höhere Programmiersprache. Für das erste bekannte Computerprogramm steht Ada Lovelace, während Fortran als erste praktisch erfolgreiche höhere Sprache gilt.

Was von diesen Pionieren bis 2026 geblieben ist

Die Geschichte zeigt, dass Programmieren nicht plötzlich mit einer einzigen Erfindung begann. Es entwickelte sich aus dem Zusammenspiel von Algorithmen, Maschinenkonzepten, Sprachentwürfen und Compilern. Genau diese vier Bausteine finden sich auch heute noch in Python, Java, C++, Rust und modernen KI-Systemen.

Wer die Begriffe sauber trennt, muss sich zwischen Ada Lovelace, Konrad Zuse und John Backus nicht für eine einzige „richtige“ Antwort entscheiden. Jeder von ihnen löste ein anderes grundlegendes Problem, und erst zusammen entstand die Grundlage der heutigen Softwareentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Konrad Zuse gilt mit Plankalkül als Entwickler des frühesten umfassenden Entwurfs einer höheren Programmiersprache. Zwischen 1942 und 1945 beschrieb er darin unter anderem Variablen, Datentypen, Rechenoperationen und bedingte Anweisungen.

Ada Lovelace veröffentlichte 1843 den ersten bekannten Algorithmus für eine programmierbare Rechenmaschine, die Analytical Engine. Sie beschrieb jedoch kein vollständiges Sprachsystem mit eigener Syntax und systematischen Regeln, sondern einen konkreten Algorithmus zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen.

Fortran wird häufig so bezeichnet, weil die Sprache ab 1957 mit einem Compiler praktisch eingesetzt werden konnte. Das IBM-Team um John Backus machte wissenschaftliche und technische Berechnungen dadurch deutlich einfacher als mit Maschinen- oder Assemblersprache.

Plankalkül war lange vor allem ein schriftlicher Entwurf und wurde zu Zuses Lebzeiten nicht breit eingesetzt. Historisch wichtig ist die Sprache dennoch, weil sie Programme auf einer abstrakteren Ebene beschrieb und bereits zentrale Konzepte moderner Programmiersprachen enthielt.

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Autor Claudio Möller
Claudio Möller
Mein Name ist Claudio Möller und ich bringe 14 Jahre Erfahrung in den Bereichen Wissenschaft, Technik und digitale Zukunft mit. Mein Interesse an diesen Themen begann schon in meiner Jugend, als ich die Auswirkungen neuer Technologien auf unsere Gesellschaft erkannte. Es fasziniert mich, wie Innovationen unser Leben verändern und welche Herausforderungen sie mit sich bringen. Ich schreibe gerne über die neuesten Entwicklungen und helfe meinen Lesern, komplexe Themen verständlich zu machen. In meinen Artikeln lege ich großen Wert auf gründliche Recherche und den Vergleich verschiedener Informationsquellen. Ich bemühe mich, schwierige Konzepte zu vereinfachen und aktuelle Trends klar zu organisieren. Mein Ziel ist es, nützliche, präzise und leicht verständliche Informationen zu liefern, die meinen Lesern helfen, die digitale Zukunft besser zu begreifen.

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